Staatliche Berufsschule Berchtesgadener Land: dachrin
 
 
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Zimmerer-„Urgestein" lehrt altes Handwerk

 Hans Putzhammer motivierte den Nachwuchs an der Berufsschule - Holzdachrinnen für Brechlbad gefertigt.

FREILASSING - -05.08.2010- Zur Theorie gehört vor allem die Praxis - und so erlebten die Auszubildenden im Berufsgrundschuljahr Zimmererhandwerk eine Fortbildungsveranstaltung der ganz besonderen Art. Hans Putzhammer, bekannt als unterhaltsamer Verfechter seines Handwerks, war der Einladung der Berufsschule gerne gefolgt, um den jungen Männern zu zeigen, wie früher Balken auf Format gehackt und speziell Dachrinnen gefertigt wurden.

Er verstand es; durch sein handwerkliches Geschick und seine unkomplizierte Art, die Jugendlichen zu begeistern. „War früher alles besser oder haben sich die Anforderungen an das Handwerk grundlegend geändert?" Diese Frage galt es, speziell auf das Zimmererhandwerk bezogen, zu erkunden. Auf Einladung der Lehrerschaft war Hans Putzhammer in die Berufsschule gekommen, um mit
dem Nachwuchs zwei Holzdachrinnen zu fertigen. Und die Schüler staunten nicht schlecht, als sie das nostalgische Werkzeug sahen, mit dem sie nun einen Tag lang arbeiten sollten. Teilweise von seinem Großvater, seinem Onkel, der für ihn ein großer Lehrmeister war, und manche Spezialanfertigung aus einer alten Schmiede holte der stets lächelnde Zimmermann aus seinem Kofferraum. Schnell hatte er die jungen Lehrlinge in seinen Bann gezogen. Holzdachrinnen sind heute eine Besonderheit,und so gilt es als besonderes Glück, dass zwei Landwirte aus Thundorf zwei Lärchen zur Verfügung gestellt hatten.

Idealerweise werden sie im' Winter geschlagen. Sie sind widerstandsfähig gegen Fäulnis, Eis- und Schneebruch. Die Dachrinnen können in zwei Formen, entweder rund oder kantig, hergestellt werden. Für das Brechlbad in Ainring sollten zwei achteinhalb Meter lange Dachrinnen entstehen. Putzhammer wies die jungen Männer an, zuerst die Borke zu entfernen. Dabei kamen Schaler, Zugmesser und Breitaxt zum Einsatz. Mit der Bogensäge wurden die Stangen
abgelängt. Ein Zopfmaß von 15 Zentimetern sollte dabei nicht unterschritten werden.

Während die angehenden Gesellen in der Berufsschule auf einen sich
stetig wandelnden Arbeitsmarkt vorbereitet werden, stehen moderne Techniken, computerunterstütztes Konstruieren und der Umgang mit zukunftsweisenden Arbeitstechniken im Vordergrund. Schnell kristallisierte sich ein kleiner Wettstreit heraus. Während, einige der jungen Zimmerleute eifrig mit den Handwerkzeugen arbeiteten; versuchte eine kleine Gruppe, die Arbeiten an der zweiten Dachrinne mit modernen Abbundgeräten zu beschleunigen. Hans Putzhammer zeigte eine längst vergessene Kunst, nämlich die Balken auf Format zu hacken. Früher konnte man beliebige rechteckige Querschnitte nicht
aus den Sägewerken beziehen, und so war es eine mühsame Arbeit der Zimmerleute, zuerst mit der Bundaxt Kerben in den runden Baum zu schlagen, um dann mit der Breitaxt eine plane Fläche herauszuarbeiten. Heute kann man gehackte Oberflächen käuflich erwerben, doch werden sie meist maschinell erstellt oder von Hand nachbearbeitet.

Nostalgisch wirkte die Szene, als der Zimmerer und die Berufsschüler, sichtlich gezeichnet von dem warmen Sommertag, vor der besonderen Herausforderung standen, die Hohlkehle, aus den Dachrinnen herauszuarbeiten. Doch Putzhammer hatte auch hierfür die nötigen Gerätschaften parat. Mit einem langstieligen Schabhobel, einer runden Axt und mehreren wurmstichigen Schlichthobeln mit halbrunden Sohlen rückte man den Lärchenstämmen zu Leibe. Bei dieser schweißtreibenden Arbeit konnte auch die zweite Gruppe keine Handmaschine zum Einsatz bringen, es gab nur eine Alternative - reine Muskelkraft.

Um welch besonderen Jahrgang es sich handelt, zeigte sich gegen Ende des 'Tages. Würde man vermuten, dass es Jugendlichen heutzutage an Durchhaltekraft mangelt, bewiesen diese Zimmerer das Gegenteil. Auch nachdem in diesem Jahr eine besonders herausfordernde Prüfung abzulegen war, in der bautechnische Grundlagen und alle technischen Details inklusive Dachdeckung an einem Pultdach verlangt wurden. So stellte Hans Putzhammer am späten Nachmittag fest, dass auch er überrascht sei von dem Geschick und dem Elan, mit dem die jungen Leute bei der Sache waren. Da sei ihm um den
Nachwuchs in seinem Handwerk nicht bange. Letztendlich bedankten
sich die Fachlehrer Andreas Schillinger und Johannes Bauer bei Hans
Putzhammer. Nach einem gelungenen Ausbildungstag und einigen
Schwielen und leichten Schürfwunden an den Händen waren die Schüler bei der Frage, ob früher alles besser war, unterschiedlicher Meinung. Die Anforderungen an das Handwerk haben sich nur im Bezug auf die Technik geändert. Nach Auskunft der Schüler werden weiterhin Einsatzbereitschaft, Durchhaltevermögen und die Kompetenz, Probleme zu lösen, gefordert. Allem voran hat es ihnen Spaß gemacht und sie laden herzlich dazu ein, ihre handgefertigten Dachrinnen am Bredäbad in Ainring zu bewundern.


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