Der Mensch im Auto der Zukunft
Wie wird sich das Autofahren in Zukunft verändern? Diese Frage stand im Zentrum eines Vortrages, den Herr Diplomingenieur Florian Engstler vom Ergonomie-Lehrstuhl der Technischen Universität München in der Berufsschule Freilassing präsentierte. Die Veranstaltung fand statt im Rahmen des Wissenschaftsherbstes im Schulcluster Berchtesgadener Land. Als Hörer hatten sich auszubildende Kraftfahrzeugmechatroniker und -mechatronikerinnen der Berufsschule sowie Schülerinnen und Schüler der Gymnasien und Realschulen in der Aula eingefunden.
Herr Engstler erläuterte die neuesten technischen Entwicklungen in der Kfz-Technik, so z.B.
den Notbremsassistenten, die Personenerkennung in der Dunkelheit, das Navigationssystem, den Park- und Spurwechselassistenten oder die automatische Regulierung der Fahrgeschwindigkeit. Die Ergonomie beschäftigt sich mit der Schnittstelle zwischen den Menschen und diesen neuen Produkten - will also die Arbeitsplätze menschengerechter und sicherer gestalten.
Würde für jede der bereits vorhandenen Funktionen im Auto ein Knopf oder ein Hebel zu bedienen sein, würde das Auto heute schon wie das Cockpit eines Flugzeuges aussehen. In den nächsten Jahren kommen aber noch weitere elektronische Fahrerassistenzsysteme dazu. Dies sind z. B. der Kollisions-Vermeidungsassistent, die automatische Stop & Go –Anpassung an den gegebenen Verkehrsfluss oder das automatische Erkennen von Verkehrsschildern. Es besteht daher die Gefahr der Reizüberflutung. Die Fahrer werden von der eigentlichen Fahraufgabe abgelenkt und die Gefahr von Unfällen steigt.
Die Wissenschaftler am Ergonomie-Lehrstuhl sind daher gefordert, die Interaktion zwischen Fahrer und Auto zu verbessern. Dies geschieht beispielsweise durch Head-up-displays, bei denen die wichtigsten Fahrinformationen auf die Windschutzscheibe projiziert werden, oder mit Dreh- und Drückstellern, die dem Aufruf der Funktionen im Menü dienen. Ebenso sollen die Handschriftenerkennung und der Einsatz von haptischen Touchpads die Informationseingabe erleichtern.
Als große Herausforderung für die Automobilindustrie stellte Herr Engstler insgesamt die Globalisierung dar. Hier müssten große Schwierigkeiten überwunden werden, so z.B. die Einstellung der Informationssysteme auf verschiedene Sprachen oder die stark abweichenden Körpermaße der Menschen auf den Kontinenten. Auch die demografische Entwicklung muss berücksichtigt werden: Viele junge Autofahrer in Asien und ein großer Anteil von älteren Autofahrern in Europa, deren Sehkraft bereits deutlich abgenommen hat.
Mit seiner abschließenden Frage „Wohin geht die Reise?“ zeigte Herr Engstler auf, dass die zunehmende Automatisierung und Elektronisierung für unsere Kraftfahrzeugmechatroniker und damit für die Automobil-Werkstätten nicht weniger, sondern eher mehr Arbeit bedeutet – aber Arbeit einer anderen Art!