< „Elternstolz“ – eine weitere Initiative aller an der beruflichen Bildung junger Menschen Beteiligten!
26.06.2017 10:40 Alter: 116 days

Junge Schreiner, Maurer und Mechatroniker leben und arbeiten in Dänemark

Freilassing - 14 SchülerInnen der Staatl. Berufsschule Berchtesgadener Land nehmen im Rahmen eines Erasmusprojekts die Möglichkeit wahr ihre beruflichen Kenntnisse in Dänemark zu erweitern. Neben zwei Wochen des Arbeiten und Lernens blieb auch Zeit dänisches Design, deren Handwerkskunst und ihre vielfältige Gastfreundschaft zu erfahren.


Er bewundere die „German Efficiency“, so ein dänischer Auszubildender in einem kurzen Videoclip das im Rahmen des Projekts entstanden ist. Efficiency bietet nun eine Reihe von Übersetzungsmöglichkeiten. Meinte er das englische Wort für Leistungsfähigkeit, Wirksamkeit, Tüchtigkeit, oder die Fähigkeit besonders rationell zu arbeiten? Oder, hat es ihm einfach nur Spaß gemacht mit deutschen Auszubildenden zusammen zu arbeiten? Welchen Eindruck hatte man hinterlassen?

Mit großen Erwartungen betraten die SchülerInnen und die begleitenden Lehrkräfte in Kopenhagen die „Ankomst“ Ankunftshalle am Flughafen Kastrup. Die Augen der Bayern werden groß: Holzparkett im Airport! Unfassbar. Aber praktisch: Das Holz dämpft den Flughafenlärm. Die Halle ein Musterbeispiel skandinavischer Architektur und ebensolchen Designs. Die kurze Fahrt mit einer hochmodernen Metro ins Zentrum und vor einem erscheint eine bunte Hauptstadt mit Glaspyramiden, Backsteinbauten, Ateliers und holzbeplankten Schiffen im nahe gelegenen „Nyhavn“.

Auf den Weg hatten sich Schreiner, Maurer und Mechatroniker gemacht. Jeder mit einem klar strukturierten Auftrag im Gepäck. Parkbänke sollten entstehen, ein Ofen für eine längst vergessene Handwerkstechnik im Hafen von Holbæck gemauert und ein Tuning an einem Neuwagen durchgeführt werden. Als Unterkunft diente ein Gästehaus in Audebo, angegliedert an ein landesweites Schulzentrum die „Glasmester Skole“. Das Design zieht sich wie ein roter Faden durch das Land. Funktional, elegant, filigran nur eines nicht: billig.

Was die Schreiner um die beiden Fachlehrer Eric Veje (Dänemark) und Fritz Auer (Bayern) mit ihren Schüler schafften konnte sich auch in Bezug auf das Design wahrlich sehen lassen. In den beiden Wochen entstanden sechs Parkbänke mit traditionellen Holzverbindungen, wasserfest verleimt und mit raffinierten Details ausgestattet. Hierfür war der Initiator und Ideengeber des Projekts Thomas Unterhofer verantwortlich. In einem Vorgespräch mit seinen dänischen Kollegen wurden bereits Pläne ausgetauscht, Dateien und Programme für die CNC gesteuerten Fräsen versandt. So konnte in beide Rücklehnen die Schullogos gefräst werden. Moderne Raffinesse stellt ein QR Code im Mittelsteg dar. Dessen Scan wurde direkt an ein Video geknüpft das über die Ergebnisse ihrer Arbeit berichtet. (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=Xv735JroyMs)

Die Aufgabe der Maurer bestand darin einen Ofen im Hafen von Holbæck zu bauen. Mit klaren Skizzen, Fachzeichnungen und Ausführungshinweisen im Gepäck erfolgte die Anreise an die EUC Holbæck (Educational Center). Der Ofen diente in vergangenen Zeiten dazu Birken und Weidegeflecht zu verkochen und daraus haltbare Taue für den Schiffsbau herzustellen. Doch erst machten sich die jungen Facharbeiter daran Steinformate und Verarbeitungstechniken der Dänen zu erlernen. Im Mittelpunkt stand darin eine Aufgabe der vergangenen WorldSkills, also die Berufsweltmeister-schaften der jungen Handwerker. Was an keinem Haus in Dänemark fehlen darf, nämlich eine zweischalige Konstruktion aus Außen- und Innenschale, entpuppte sich doch als große Herausforderung. Es war nicht leicht ein klares Sichtmauerwerk scheit- und lotrecht zu erstellen, dieses sauber zu verfugen und dabei auf die Maßhaltigkeit zu achten. Ein Modell des Ofens wurde anschließend im Maßstab 1:1 in der Bauhalle erstellt.

Die Mechatroniker um ihre Lehrkräfte Simon Huber und Hans Galler hatten sich eine besondere Herausforderung gestellt. Ein Seat sollte in der Spur verbreitert und tiefer gelegt werden. Anschließend galt es die Spur neu zu vermessen und dieses Fahrzeug auch durch den dänischen TÜV zu bringen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Verständigung, einer gewissen Eingewöhnungsphase in die vorhandenen Messgeräte und einen Verzug bei der Lieferung der entsprechenden Teile konnte auch diese Aufgabe mit Bravour gelöst werden. Auch hierfür erhielten die drei Schüler und eine Schülerin lobende Anerkennung von ihren dänischen Kollegen.

In zwei Wochen kann man natürlich auch das Land erkunden. Vom Ausgangsort Audebo ging es an die nahe gelegene Küste, ein für Dänemark typisches küstennahes Dorf aus kleinen gepflegten teils reetgedeckten Wochenendhäusern. Mit dem Rad erkundete man den Neubau einer architektonisch doch sehr anspruchsvollen Villa. Man setzte mit der Fähre auf eine kleine Insel über und erreichte gegen Abend wieder das EUC Audebo, wo man bestens versorgt wurde.

Höhepunkt stellte für die Mechatroniker der Besuch des Anfang Juni 2006 von MAN Diesel eröffnete DieselHouse dar. Es handelt sich dabei um eine Sehenswürdigkeit von internationalem Rang. Die Schüler bestaunten einen riesigen B&W Dieselmotor aus dem Jahr 1932. Dieser Motor zur Energieversorgung Kopenhagens war für mehr als 30 Jahre der größte Dieselmotor der Welt. Für die Maurer wird die Grundvigskirche im Kopenhagener Stadtteil Bispebjerg in bleibender Erinnerung bleiben. Sie ist ein seltenes Beispiel eines expressionistischen Gotteshauses mit vornehmlich neugotischen Stilelementen (Bauzeit 1921 – 1940). Die Kirche inklusive des 49 Meter hohen Glockenturms und der Treppen wurde aus sechs Millionen gelber Ziegel von nur elf Maurern gemauert und bietet Platz für 1800 Menschen.

Mit dem Besuch des dänischen Designmuseums am letzten Tag vor der Abreise durften alle Teilnehmer noch einmal tief in das dänische Design und die Gastfreundschaft und Unbeschwertheit in der Hauptstadt Kopenhagen eintauchen. Modernes Design ist Teil der nationalen Identität und des Alltagslebens der Dänen. Viele dänische Produkte wurden zu Ikonen des Designs des 20. Jahrhunderts. Industrie Design, Möbel und ästhetische Gegenstände gehören seit langem zu den Exportschlagern der Dänen. Im Museum bestaunte man Exponate von Børge Morgensen, Finn Juhl, Hans Wegner, Verner Panton und Arne Jacobsen.

Die 5,3 Millionen Dänen bezeichnen sich einer Umfrage der Erasmus Universität Rotterdam zufolge als die glücklichsten Menschen der Welt. Dieses Gefühl schwappt auf seine Besucher über. Überall begrüßt man sich mit einem Lächeln. Die Kommunikation und Wortwahl ist stets persönlich, bedacht und höflich. An der kleinen Meerjungfrau treffen sich Gäste eines Rockfestivals, Damen in Abendgarderobe und Teilnehmer des im Juni stattfindenden Karnevals. „Rationalität und Wirksamkeit“, so Thomas Juhl Lehrer am EUC Holbæck, „hatten die deutschen Schüler in ihrem Gepäck.“


Staatliche Berufsschule Berchtesgadener Land

Kerschensteinerstraße 2
D-83395 Freilassing
Telefon +49 8654 660-0
Telefax +49 8654 660-120

Impressum