< Optimaler Start in eine berufliche Karriere mit der Doppelqualifizierung von Berufsabschluss und Allgemeiner Fachhochschulreife
12.09.2016 18:22 Alter: 285 days

Freisprechungsfeier der Schreiner-Innung BGL

Fünfzehn junge Schreinergesellen können ins Berufsleben durchstarten


Bild 1: Die neugebackenen Junggesellen des Schreinerhandwerks mit ihren Berufsschullehrern und teilweise Ausbildern, dem Prüfungsausschussvorsitzenden Johannes Haas (2. R. l), Innungsobermeister Siegfried Reichenberger(v.l.) und Kreishandwerksmeister Peter Eicher (3. R. r.)

Bild 2: Stefan Graßl (3.v.l.) ist Innungsbester des Jahrgangs 2016. Hier mit Prüfungsvorsitzendem Johannes Haas, Ausbilder Schreinermeister Martin Scheifler aus Berchtesgaden, Fachlehrer Thomas Unterhofer und OM Siegfried Reichenberger vor seinem Gesellenstück, dekoriert mit „Berchtesgadener War“.

Bild 3: Sigi Stapfer erhielt für sein Engagement in der Schreinerausbildung die silberne Ehrennadel des Fachverbandes Schreinerhandwerk Bayern und aus den Händen von Obermeister Siegfried Reichenberger die Ehrenmitgliedschaft der Schreiner-Innung Berchtesgadener Land.

Bild 4: Die Schreinermeister Josef Fries aus Freilassing, Christian Utz aus Piding und Siegfried Reichenberger sen. Wurden mit dem „Goldenen Meisterbrief “ für die langjährige Eintragung in die Handwerksrolle geehrt (Auf dem Bild von l.n.r jeweils mit Gattin) rechts außen Kreishandwerksmeister Peter Eicher, li. Daneben OM Siegfried Reichenberger jr.

Die Freisprechungsfeier der Schreinerinnung Berchtesgadener Land, bei der traditionsgemäß die Prüflinge ihren Gesellenbrief erhalten, fand in der Aula der Berufsschule in Freilassing statt.
Fünfzehn junge Burschen nahmen in einer feierlichen Veranstaltung ihre Diplome entgegen. Für die neugebacken Gesellen ist es der Anfang der Karriere. Für den Schreinerlehrer Sigi Stapfer endet sein Berufsleben  in diesem Schuljahr, wofür er ebenfalls geehrt wurde.


Der Obermeister der Schreinerinnung Siegfried Reichenberger konnte die Junggesellen zusammen mit ihren Ausbildern und den Eltern  zu diesem Höhepunkt des Innungsjahres begrüßen. Er dankte der Schulleitung und den Lehrern  für das gute und gedeihliche Miteinander und den Betrieben für das zur Verfügung stellen der Ausbildungsplätze.

Bürgermeister Silvester Enzinger überbrachte die Glückwünsche der Bürgermeister der Städte und Gemeinden des Landkreises zur bestandenen Prüfung. Der Gesellenbrief habe einen großen Wert, so Enzinger. Und wer sein Handwerk gelernt habe und es fachgerecht ausübe, dessen Leben sei gesichert. Enzinger appellierte aber auch an das  Vertrauen auf die eigene Urteilsfähigkeit der jungen Leute. Sie  sollten aufgeschlossen sein für neues, aber dabei auch kritisch bleiben. Denn nicht alles was unter dem Deckmantel des Fortschritts daherkomme, sei automatisch besser als das traditionelle.

Hermann  Kunkel, der Klassenlehrer und stellvertretende Schulleiter wünschte auch im Namen von Rosa Mayer, Schulleiterin und der Lehrer  allen Absolventen Glück und Segen. Davor stellte er jeden einzelnen von ihnen vor.  Ihr Name, ihr Ausbildungsbetrieb und ihre typischen Eigenheiten und Zukunftsvorstellungen ließen jeden als einzigartige und Persönlichkeit mit guter Zukunft aufscheinen.
Ihr seid ein bunter Haufen mit unterschiedlichen Interessen und unterschiedlicher Herkunft. Das ist heute so bei uns in Deutschland, in Europa auf der ganzen Welt, konstatierte Kunkel. Diesem bunten Haufen wünschte Kunkel für die nächsten 45 Jahre genauso viel Spaß am Beruf, wie ihn Sigi Stapfer, ihr Schreinerlehrer seit Jahrzehnten hatte. Stapfer geht nach 34 Jahren an der Schule in Pension.

Die Freisprechung als solches, führte Kreishandwerksmeister Peter Eicher durch. Es bedeute für die neuen Gesellen, sich frei fühlen zu können, die Pflichten der Lehrjahre  und die Last der Prüfungen hinter sich gebracht  und die Zielgerade erreicht zu haben. Die frischgebackenen Schreiner hätten gezeigt, dass durch ihre Handwerkskunst ein Möbelstück entstehen kann, das viele Menschen haben wollen, das nicht billig, aber seinen Preis wert sei. Dabei dürfe man nicht den Respekt vor dem Werkstoff Holz und dessen Herkunft, dem Lebewesen Baum vergessen. Der Gesellenbrief sei ein echtes Qualitätssiegel und ein Fundament, auf dem gut aufzubauen sei. Erfolgreiche Handwerksbetriebe bräuchten Top-Mitarbeiter die zu ihrer fachlichen Qualifikation viele weitere Eigenschaften besäßen. Unter anderem seien das soziale Kompetenzen oder Flexibilität.

Schreinermeister Johannes Haas  bedankte sich einleitend bei seinen Kollegen im  Prüfungsausschuss, dessen Vorsitzender er ist. Der Ausschuss besteht aus den Gesellenbeisitzern Markus Koll und Hubert Fuchs, den Meisterbeisitzern Martin Scheifler und dem Redner selbst, sowie der Lehrkraft Thomas Unterhofer.
Sein Dank galt auch den vier Fachlehrern der Berufsschule Hermann Kunkel, Thomas Unterhofer, Fritz Auer und dem scheidenden Sigi Stapfer. Letzterer habe in der dualen Ausbildung eine feste Grundsäule dargestellt, die nichts so schnell erschüttern konnte. Er habe mehr als zwei Generationen der Schreiner im Landkreis das Zinken, Schlitzen, Graten, Schleifen und Hobeln beigebracht und mehr als fünfzig  Zwischen- und Gesellenprüfungen tatenreich unterstützt.

Zu den neuen Gesellen gewandt meinte Haas, sie hätten eine hervorragende Ausbildung in unserem vielfach bewunderten dualen System erhalten. Durch die Knappheit an qualifizierten Mitarbeitern, würde ihre Fachkompetenz immer wertvoller.
Das Handwerk sei enorm wichtig für Ausbildung, Qualitätsarbeit und Innovation. Deshalb brauche dieser Wirtschaftsbereich mehr Wertschätzung und Unterstützung. Die Junggesellen sollten aber nicht vergessen, dass sie von Familie, Ausbildungsbetrieb und Schule Unterstützung erhalten hätten. Insbesondere gelte sein Dank den Ausbildern für ihre Bereitschaft zum Ausbilden. Außerdem forderte er die jungen Menschen auf, das Weiterbildungsangebot der Handwerks-organisationen zu nutzen.

Haas durfte, wie er sagte, den schönsten Part der Freisprechungsfeier übernehmen.  Er konnte die Gesellenbriefe und Zeugnisse überreichen.  Zuallererst erhielt der Innungssieger Stefan Graßl sein Zertifikat. Er hat in der Schreinerei Scheifler in Berchtesgaden gelernt und ist laut seinem Lehrer Kunkel ein Holzwurm durch und durch.  Graßl hatte als Gesellenstück eine Ausstellungsvitrine in Kirschbaum und Ahorn angefertigt. Er konnte die Urkunde als Innungsbester sowie den begehrten Putzhobel der Firma Kreiller in Empfang nehmen.
Während der anschließenden Vorstellung der Lehrlinge,  ihrer Ausbilder  und der Gesellenstücke, die als Ausstellung in der Aula aufgebaut war, wurden die  Gesellenbriefe  an die folgenden  fünfzehn Junggesellen überreicht: Tobias Dürnberger (Schreinerei Dürnberger), Niklas Eder (Schreinerei Maltan), Stefan Graßl (Schreinerei Scheifler), Christian Haas (Schreinerei Öttl), Korbinian Huber (Schreinerei Braun), Florian Kern (Schreinerei Armstorfer), Michael Kettenberger (Schreinerei Heehr), Jens Kirsten (Schreinerei Philipp Haas & Söhne), Daniel Koller (Bundeswehrdienstleistungszentrum), Bastian Kruis (Schreinerei Braun), Thomas Maier (Schreinerei Eder), Hubert Nitzinger (Schreinerei Fegg), Michael Rettenbacher (Schreinerei Portenkirchner), Fabian Schmidt (Schreinerei Hogger), Maximilian Traxl (Schreinerei Langwieder). Sie haben mit ihren schulischen Leistungen, ihrer Arbeit im Ausbildungsbetrieb und ihren Gesellenstücken ihre fachliche Qualifikation gezeigt.

 

Die Gesellen hatten ihre Werkstücke aber auch beim Wettbewerb des Fachverbandes „Die gute Form“ ins Rennen geschickt. Dabei stand als Auswahlkriterium vor allem die Gestaltung des Möbelstücks im Vordergrund, jedoch auch die Funktion und die Langlebigkeit spielte dabei eine wichtige Rolle.
Christian Utz, vormaliger Prüfungsausschussvorsitzender  hatte in einer Jury zusammen mit Architektin und einem Malermeister nach intensiver Begutachtung Platz 1 an Niklas Eder aus Berchtesgaden für sein TV-Möbel aus Rüster vergeben. Platz 2 ging an Jens Kristen aus Sachsen. Er hatte eine Vitrine  aus Indisch Apfel gefertigt.  Platz 3 erhielt  Hubert Nitzinger aus Thundorf/Straß für sein Bett aus Eiche, dessen Kopfteil der Silhouette eines Gebirgsstocks nachempfunden ist.


Klassensprecher Stefan Graßl  meinte bei seiner Ansprache, bessere Lehrer als Sigi Stapfer, Hermann Kunkel, Thomas Unterhofer und Fritz Auer hätten sie nicht erwischen können. Er bedankte sich im Namen aller Junggesellen bei den Lehrern mit je einem handgedrehten und gut gefüllten Brotzeitteller. Er dankte auch den Ausbildungsbetrieben für die Lehrzeit und hoffte mit einem Schmunzeln, dass sich die Fehler der Lehrlinge, für die sie grade stehen mussten in Grenzen gehalten hätten.

Ehren-Obermeister Werner Scharf  wandte sich dem Schreinerlehrer Sigi Stapfer zu, der mit Ablauf dieses Schuljahres in Ruhestand geht. 1982 kam Sigi Stapfer an die Berufsschule Freilassing, im selben Jahr, in dem Helmut Kohl Bundeskanzler wurde.  Für die Schreiner sei ersteres wohl das wichtigere Ereignis gewesen, so Scharf.  1982 sei auch das Berufsgrundschuljahr eingeführt worden. Eine Schreinerwerkstatt sei an der Berufsschule eingerichtet worden mit Maschinen und Werkzeug. Diese Werkstatt sollte 34 Jahre der Arbeitsplatz von Sigi Stapfer sein, immer wieder mit Neuerungen aufgrund der technischen Entwicklung. Stets sei aber sein Grundprinzip „Sauberes Arbeiten an einem ordentlichen Arbeitsplatz“ gewesen. 700 bis 800 Schüler dürften mit seiner Hilfe die Gesellenprüfung bestanden haben. Scharf bedankte sich bei Stapfer für gute Zusammenarbeit über all die Jahre persönlich und im Namen der Schreiner-Innung BGL und verlieh ihm die silberne Ehrennadel des Fachverbandes Schreinerhandwerk Bayern.
Innungsobermeister Reichenberger bedankte sich ebenfalls bei Sigi Stapfer  und ernannte ihn zum Ehrenmitglied der Schreiner-Innung Berchtesgadener Land.

Geehrt wurden auch die Schreinermeister Josef Fries aus Freilassing, Siegfried Reichenberger aus Ainring und Christian Utz aus Piding. Sie erhielten den Golden Meisterbrief der Handwerkskammer  München und Oberbayern dafür, dass sie bereits vor 35 Jahren ihre Meisterprüfung abgelegt haben und ebenso lange in die Handwerksrolle eingetragen sind.

Mit einem gemütlichen Beisammensein endete die Feier. 

Die Gesellenstücke sind von 28. Juli bis 12. August in einer Ausstellung im Foyer des Landratsamtes in Bad Reichenhall zu sehen. Diese wird am 1. August  um 19 Uhr offiziell von Landrat Georg Grabner eröffnet


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