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12.08.2014 18:02 Alter: 3 yrs

Jetzt geht das Lernen erst richtig los

16 Schreinergesellen starten ins Berufsleben - Michael Enzinger Innungssieger


16 frischgebackene Schreinergesellen konnte Obermeister Siegfried Reichenberger bei der Freisprechungsfeier der Schreinerinnung Berchtesgadener Land im „Haus der Berge“ begrüßen. „Das Lernen geht jetzt erst los“, meinte Reichenberger, doch sollte erst einmal das Erreichte gefeiert werden; alle hätten die Prüfung „gut überstanden“. Auch Bürgermeister Franz Rasp erklärte, die jungen Schreiner seien „nicht am Ende der Ausbildung, sondern eigentlich erst am Anfang“. Im Namen der Marktgemeinde wünschte er ihnen eine schöne Feier und ein erfülltes Berufsleben, alles Gute und Gottes Segen.

Mit einer sehr launigen Rede hatte Berufsschullehrer Hermann Kunkel die Lacher auf seiner Seite. Friedensreich Hundertwasser, so Kunkel, habe gerade Linien gehasst und für den geraden Weg in die Hölle gehalten – da seien wohl die meisten Lehrlinge des Teufels. Eine geradlinige Führung durch die Lehrkräfte sei auch nötig gewesen, um die erste Bankreihe im Zaum zu halten. Und mitunter seien die Lehrlinge auch entwaffnend geradeheraus gewesen; auf die Frage des Prüfungsvorsitzenden, warum er dies und jenes so mache, habe einer geantwortet: „Weil's so richtig ist.“ Über jeden Schüler hatte Kunkel eine kleine Anekdote zu erzählen, von den Unterlagen, die in einem imaginären Bus vergessen wurden, bis zu dem Klassenmitglied aus München, das sich bei seinen bergigen Kollegen Respekt verschaffte, indem es mit seinem Polo rückwärts zum Parkplatz zur Kneifelspitze in Maria Gern hinauffuhr. „Passt auf euch auf“ gab er seiner Klasse mit auf den Weg.

Ehrenobermeister Werner Scharf, der 29 Jahre Obermeister der Innung war, oblag die Freisprechung der Lehrlinge. Er blickte in seiner Ansprache auf das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft zurück: Nicht gefallen habe ihm der Umgang der Argentinier mit der Finalniederlage. „Wo kommen wir da hin, wenn der Zweite schon nichts mehr zählt? Nicht nur der Beste zählt was, sondern alle zählen was.“ Einen Dank richtete er an die Meister der Lehrlinge und deren Ehefrauen. Mit der Gesellenprüfung in der Tasche könne man viel machen, meinte er an die jungen Gesellen gewandt - „aber bleibt's Schreiner“. Heilig ist Scharf die Meisterprüfung und das duale Ausbildungssystem. Er appellierte an die Politik, dieses nicht durch das transatlantische Freihandelsabkommen torpedieren zu lassen. Die Freisprechung nahm er mit dem 299 Jahre alten Zunftkreuz der Berchtesgadener Schreinerinnung vor, das zum Berchtesgadener Stiftsschatz gehört und derzeit im Schloss Adelsheim ausgestellt ist. Für die Zukunft wünschte er den neuen Gesellen „a gsunds Hoiz und a guade Schneid“.

Prüfungsvorsitzender Johannes Haas gratulierte den Lehrlingen im Namen des Prüfungsausschusses und bedankte sich bei der Berufsschule Freilassing und deren Lehrerschaft. Deutschland werde von vielen Staaten um sein duales Ausbildungssystem beneidet, so Haas – dieses System müsse man erhalten. Die Ausbilder im Berchtesgadener Land wollten ihre wichtige Aufgabe weiterhin wahrnehmen.

Mit einem Putzhobel von der Firma Kreiller wurde Michael Enzinger geehrt, der seine Ausbildung in der Schreinerei Portenkirchner genossen hat. Für das handwerklich am saubersten gearbeitete Gesellenstück wurde er zum Innungssieger des Jahres 2014 gekürt. „Lernt's olle Schreiner“, meinte er, „is wirklich a scheena Beruf.“

Nach der Vorstellung der Gesellenstücke und der Überreichung der Gesellenbriefe durch Thomas Unterhofer und Johannes Hass bedankten sich die Freigesprochenen bei ihren Lehrkräften mit einem Präsent. Drei Generationen der Schreinerdynastie Biermaier gaben der Feier mit ihren selbst gefertigten Alphörnern einen musikalischen Rahmen.


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